Das zwischen 1930 und 1931 errichtete Gebäude der Neuen Universität ist in der jüngeren Geschichte der Universität Heidelberg das wohl spektakulärste Beispiel für das großzügige, uneigennützige Engagement von Stiftern und Förderern. Dass es gebaut werden konnte, verdankt sie der Initiative des amerikanischen Botschafters in Berlin, Jacob Gould Schurman.
Schurman hatte zu Beginn des Jahres 1928 bei einem Essen der Steubengesellschaft in New York eine Spendenaktion gestartet, mit der das dringend benötigte Hörsaalgebäude in Heidelberg finanziert werden sollte. Anlässlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Heidelberg im Dezember desselben Jahres präsentierte er das Ergebnis seiner Spendenaktion: mehr als eine halbe Million Dollar, gestiftet von wohlhabenden Amerikanern, darunter so erfolgreiche Unternehmer wie Walter P. Chrysler und John D. Rockefeller.
Geboren wurde Jacob Gould Schurman 1854 auf der kanadischen Prinz-Eduard-Insel. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und mauserte sich zu einem ehrgeizigen und erfolgreichen Schüler, der zahlreiche Preise und Stipendien einheimste. Eins davon führte ihn nach Europa zum Studium; 1878/79 verschlug es ihn nach Heidelberg. Ein prägender Aufenthalt: Im Nachhinein erklärte Schurman, dass dort der Grundstein für seine lebenslange Beschäftigung mit der deutschen Kultur- und Geistesgeschichte gelegt worden sei.
Die Bauarbeiten für das Gebäude begannen 1930. Mit den Planungen war der Danziger Architekt Karl Gruber beauftragt worden, der sich für eine „zeitgemäße und sachliche Architektur, aber nicht im Sinne der Moderne“ entschied. Die über dem Hauptportal angebrachte Inschrift „Dem lebendigen Geist“ stammt von dem Germanisten Friedrich Gundolf und konnte sich gegen alternative „Widmungen“ durchsetzen. Die Einweihung 1931 war mit einer technischen Pioniertat verbunden: Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Rundfunks wurde eine Direktverbindung in die USA hergestellt.
„Dem lebendigen Geist“ sowie die Pallas-Athene-Skulptur über dem Hauptportal der Neuen Universität wurden während der nationalsozialistischen Diktatur durch die Widmung „Dem deutschen Geist“ und einen Reichsadler ausgetauscht. Die im Innern aufgestellte Stiftertafel sowie seine Bronzebüste wurden 1938 durch eine Hitler-Büste ersetzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrten die Gundolf-Inschrift und die Pallas-Athene-Skulptur wieder an ihren alten Ort zurück; 1961 wurde vor der Aula der Neuen Universität außerdem eine Gedenktafel für Jacob Gould Schurman enthüllt. Nach Schurman wurden außerdem eine Bibliothek, ein Stipendium sowie eine Vortragsreihe benannt.
